Warum einige Profis bei Bergetappen weiterhin Felgenbremsen benutzen
Gewicht, Fahrgefühl und Strategie hinter dieser Entscheidung
In den letzten Jahren haben sich Scheibenbremsen im Profiradsport klar durchgesetzt.
Fast jedes WorldTour-Team ist umgestiegen, und Scheibenbremsen gelten inzwischen als moderner Standard.
Doch selbst im Jahr 2025 sieht man gelegentlich Profis, die sich — besonders in entscheidenden Bergetappen — für ein Rad mit Felgenbremsen entscheiden.
Warum bleibt diese scheinbar veraltete Wahl für einige der besten Kletterer der Welt attraktiv?
Hier ist die Erklärung.
1. Gewichtsvorteil: Jeder Gramm zählt
Der wichtigste Grund: Gewicht.
Ein Scheibenbremssystem ist typischerweise 300 bis 500 Gramm schwerer als ein Felgenbremssystem.
In steilen Bergetappen oder bei Bergankünften kann dies bedeuten:
messbare Energieeinsparungen,
schnellere Kletterzeiten.
Im Kampf um Sekunden im Gesamtklassement bleibt ein leichteres Rad auf steilen Anstiegen ungeschlagen.
2. Einfachheit und mechanische Effizienz
Räder mit Felgenbremsen sind:
einfacher zu warten,
mechanisch weniger komplex,
weniger anfällig für Probleme wie schleifende Bremsscheiben oder hydraulische Defekte.
Für Fahrer, die auf Felgenbremsen aufgewachsen sind, bietet das Bremsgefühl oft:
mehr Vorhersagbarkeit,
mehr Direktheit,
ein natürlicheres Feedback.
3. Schnellere Laufradwechsel in kritischen Rennsituationen
In der Hitze eines Rennens kann ein schneller Laufradwechsel entscheidend sein.
Felgenbremsräder lassen sich:
deutlich schneller wechseln,
ohne sich um Rotor-Ausrichtung zu kümmern,
ohne Steckachse, die festgezogen werden muss.
Das spart wertvolle Sekunden — besonders bei neutralem Service.
Trotz Verbesserungen bei Scheibenbremsen vertrauen einige Teams in den Bergen weiterhin auf Felgenbremsen für schnellere, reibungslosere Wechsel.
4. Besseres Fahrgefühl bei Abfahrten (für manche Fahrer)
Subjektiv berichten einige Profis:
bessere Dosierbarkeit und feineres Bremsgefühl mit Felgenbremsen,
geringeres Risiko von Überhitzung (heute eher eine psychologische als technische Sorge).
Fahrer, die lange Jahre mit Felgenbremsen gefahren sind, haben oft:
mehr Vertrauen,
mehr Kontrolle
auf technischen Alpenabfahrten.
5. Teamstrategie und persönliche Vorlieben spielen weiterhin eine Rolle
Obwohl viele Teams Scheibenbremsen bevorzugen, setzen einzelne Fahrer in Schlüsselbergetappen weiterhin eigene Wünsche durch.
Zum Beispiel:
Einige Kletterer verlangen ultraleichte Rahmen, die noch in Felgenbremsversion existieren.
Manche Teams behalten eine kleine Anzahl von Felgenbremsrädern — besonders für den Giro oder die Vuelta.
Auch im Zeitalter von Daten, Simulationen und marginal gains bleiben Vertrauen und Komfort entscheidend.
6. Der Übergang ist fast abgeschlossen — aber nicht absolut
Felgenbremsen verschwinden aus dem Profipeloton.
Aber:
ihr gelegentliches Auftauchen in Bergetappen zeigt, dass Technik keine Einheitslösung ist.
Rennbedingungen, Fahrerverhalten und psychologische Faktoren lassen immer noch Raum für Felgenbremsen auf höchstem Niveau.
Fazit: Felgenbremsen sind noch nicht tot
Scheibenbremsen bieten:
bessere Bremsleistung bei Nässe,
mehr Reifenfreiheit,
stärkere Bremskraft.
Doch in den Bergen bleiben:
Gewicht,
Einfachheit,
mechanische Zuverlässigkeit
starke Argumente.
Wenn Sie also noch Felgenbremsen fahren und gerne Berge erklimmen:
Sie sind in guter Gesellschaft.
Einige der besten Kletterer der Welt treffen dieselbe Wahl — nicht aus Nostalgie, sondern aus klaren Leistungsgründen.
