Testbericht: Hochprofil-Laufradsatz für Scheibenbremsen (700c): 50 mm vs. 60 mm vs. 80 mm
Bei der Wahl der Felgenhöhe für einen 700c-Laufradsatz mit Scheibenbremsen gilt es, Aerodynamik, Handling, Gewicht und Stabilität im Alltag in Einklang zu bringen. Im Folgenden vergleichen wir drei gängige Felgenhöhen – 50 mm, 60 mm und 80 mm – und zeigen, wie sie sich in verschiedenen Fahrsituationen verhalten.
Was die verschiedenen Felgenhöhen in der Praxis bedeuten
Eine 50 mm hohe Felge bietet eine ausgewogene Mischung aus Aerodynamik und gutem Handling. Sie ist hoch genug, um auf flachen Strecken einen spürbaren Geschwindigkeitsvorteil zu erzielen, und verhält sich gleichzeitig bei wechselnden Windverhältnissen gut.
Eine 60 mm hohe Felge ist noch stärker auf Aerodynamik ausgelegt. Die größere Höhe reduziert den Luftwiderstand und verbessert die Effizienz bei hohen Geschwindigkeiten, kann aber die Empfindlichkeit gegenüber Seitenwind erhöhen – insbesondere, wenn die Felgenform nicht optimal ist.
Eine 80 mm hohe Felge ist rein aerodynamisch optimiert. Sie ist auf maximale Luftwiderstandsreduzierung und hohe Geschwindigkeit ausgelegt und wird häufig von Zeitfahrern oder auf sehr flachen Strecken eingesetzt. Diese Felgenhöhe kann jedoch besonders bei Seitenwind schwierig zu kontrollieren sein und das Rotationsgewicht erhöhen.
Aerodynamik & Geschwindigkeitsvorteile
Tiefere Felgen reduzieren den Luftwiderstand, indem sie die Luftströmung um Rad und Reifen optimieren. Bei Scheibenbremsen kann die Felgenform freier gestaltet werden, da keine Bremsflanke berücksichtigt werden muss, was die Effizienz weiter steigert. Eine 60-mm-Felge bietet in der Regel einen größeren aerodynamischen Vorteil als eine 50-mm-Felge, während 80-mm-Felgen diesen Vorteil bei sehr hohen Geschwindigkeiten maximieren – vorausgesetzt, man fährt dort, wo es darauf ankommt.
Der tatsächliche aerodynamische Vorteil hängt jedoch von den Bedingungen ab. Bei vielen Gruppenausfahrten oder Straßenrennen bieten 50-mm-Laufräder bereits den größten praktischen Nutzen. Fahrer weisen häufig darauf hin, dass höhere Felgen (insbesondere auf 80 mm) nur dann einen abnehmenden Nutzen bringen, wenn man über lange, gerade Strecken hohe Geschwindigkeiten hält.
Stabilität, Handling & Seitenwind
die Angriffsfläche für den Wind. Deshalb können sich 80-mm-Laufräder bei Böen weniger stabil anfühlen und das Lenken erschweren. Fahrer berichten: „Seitenwind bewegt einen sowieso … und mit sehr hohen Laufrädern ist das Fahren bei windigen Bedingungen umso unangenehmer.“
50-mm-Felgen bieten hingegen einen besseren Kompromiss: Sie bieten ausreichend aerodynamische Vorteile, ohne sich im Wind zu „segelartig“ anzufühlen. Für viele Rennradfahrer sind 60 mm die optimale Höhe: aerodynamischer als 50 mm, aber nicht so exponiert wie 80 mm.
Gewicht & Trägheitsmoment
Mit zunehmender Felgenhöhe steigt auch der Materialverbrauch – und oft auch das Gewicht. Schwerere Felgen benötigen mehr Energie zum Beschleunigen, was die aerodynamischen Vorteile etwas relativieren kann, insbesondere bei häufigen Antritten oder Anstiegen. Manche Fahrer berichten, dass sich hohe Laufräder „etwas träger anfühlen, um in Fahrt zu kommen“, besonders beim Beschleunigen aus niedrigen Geschwindigkeiten. Bei Fahrten mit gleichbleibender Geschwindigkeit oder langen Flachstrecken überwiegt jedoch in der Regel die aerodynamische Effizienz höherer Felgen die zusätzliche Masse.
Bremsen & Wärmemanagement
Bei Scheibenbremsen beeinflusst die Felgenhöhe die Bremsleistung nicht direkt, da die Bremsscheiben die Bremskraft optimal verteilen. Dadurch bleibt die Felge frei für die aerodynamische Optimierung. Das bedeutet, dass selbst sehr hohe Felgen (z. B. 80 mm) nicht dem gleichen Hitzerisiko ausgesetzt sind wie Felgenbremsen.
Diese Trennung von Bremsen und Felgenstruktur bietet einen klaren Vorteil: Höhere Carbonfelgen können hinsichtlich des Luftstroms optimiert werden, ohne die Sicherheit bei starkem oder längerem Bremsen zu beeinträchtigen.
Anwendungsbeispiele
50 mm: Ein hervorragender Allrounder. Ideal für Straßenrennen, Gruppenausfahrten und das tägliche Training, bei denen Seitenwind ein Problem darstellt.
60 mm: geeignet für Fahrer, die auf flachen oder hügeligen Strecken echte Aerodynamikvorteile erzielen möchten, ohne dabei zu viele Kompromisse beim Handling einzugehen.
80 mm: optimal für Zeitfahren, Triathlons oder sehr schnelle, flache Strecken. Weniger geeignet für windige Straßen oder technisch anspruchsvolle Abfahrten.
Fazit: Welche Felgenhöhe ist die richtige für Sie?
Wähle 50 mm, wenn du auf unterschiedlichem Terrain fährst, in Gruppen unterwegs bist oder mit unvorhersehbarem Wind zu tun hast.
Wähle 60 mm, wenn dir Geschwindigkeit auf flachen Strecken wichtig ist und du mit etwas mehr Windempfindlichkeit zurechtkommst. 80 mm sind nur dann sinnvoll, wenn du sehr schnell fährst, auf vorhersehbaren Strecken unterwegs bist und maximale Aerodynamik bei weniger Seitenwind benötigst.
Kurz gesagt: Mehr Profiltiefe ist nicht immer besser – die aerodynamischen Vorteile auf Profi-Niveau müssen gegen die Anforderungen an das Fahrverhalten und deinen Fahrstil (und -ort) abgewogen werden. Die Wahl der Profiltiefe, die zu deinem Fahrstil passt, ist entscheidend.




